Gitarrentest - Framus vs. the rest of the best
Hi Leute, es ist mal wieder an der Zeit - jaaa!
Der nächste Bericht ist mal wieder fällig ![]()
Und dieses Mal handelt es sich um den schon angedrohten Testbericht einer Framus Panthera.
Qualitativ ist das Teil wie erwartet, nur noch besser, eine echt große Nummer und ganz weit vorne!
Zwar ist es nun doch keine Studio Custom geworden, aber immerhin eine Studio Pro mit Nirvana Black Oil- Finish.
Eigentlich ist es auch eine Custom - sogar mit Custom Shop Stempel, da sie anstatt “normaler” Dot Inlays (die immerhin aus echtem Perlmutt und nicht aus Kunststoff angefertigt sind) Custom Trapez-Inlays aus echtem Perlmutt aus dem Framus Customshop eingesetzt bekommen.
Die Gitarre ist komplett in Deutschland gefertigt und nicht in irgendeinem Billiglohnland. Das hat natürlich auch seinen Preis, dazu später mehr.
Die Gitarre ist von der Form her einer Les Paul nachempfunden, ist allerdings keine Kopie dieser im eigentlichen Sinne und hat eine Menge Eigenständigkeit; Zum einen hat sie eine etwas ander Geometrie, d.h., der Hals ist meiner Meinung nach in einem anderen, geringerem Winkel nach hinten zum Korpus angebracht, die Form des Korpus an sich ist auch ein wenig anders.
Ausserdem hat die Kopfplatte, die ja an sich schon recht eigen(ständig) ist, ebenfalls eine ebenfalls geringere Abwinklung im Gegensatz zur Les Paul, welches sich beides sehr günstig auf die Stimmstabilität auswirkt, da die Saiten nicht so sehr um die Ecke gezwungen werden, sich somit besser auf dem Sattel bewegen können. Anders als bei der Les Paul ist auch der Sattel (Low friction nut), über den die Saiten laufen. Der ist aus einem selbstschmierendem, Carbonhaltigem Material. Dies wirkt sich ebenfalls positiv auf das Stimmverhalten aus
Die Stimmmechaniken sind einen Eigenproduktion aus dem Hause Framus und funktionieren sehr präzise. Sie gehen nicht ganz so leicht wie die Grover Mechaniken meiner Les Paul und sind etwas kleiner, dafür sind sie präziser und dazu ist die Leichtgängigkeit mit einer Schraube einstellbar.
Der Gitarrenhals inklusiveHeadstock (oder Kopfplatte) ist aus Ovangkol-Holz, aus einem Stück gefertigt und naturbelassen.
Das Holz habe ich im Nachhinein mit Lemonoil und 2000er Nassschleifpapier nachbearbeitet. Vorher fühlte sich das Holz schon sehr gut an, nun ist es wirklich glatt wie ein Babypopo. Der Vorteil dessen im Gegensatz zu einem lackierten Hals liegt auf der Hand: mit schwitzigen Händen bremst dieser unlackierte Hals die Handbewegungen nicht ab und fühlt sich in jeder Situation stets geschmeidig und gut an. Ein Punkt mehr für Framus.
Im Gegensatz zur Les Paul ist der Hals nicht in den Korpus eingeleimt, sondern mit der von Framus patentierten Bolt-In Technik verschraubt, d.h., 2 Schrauben sind hinten, zwei vorne unter der Pickupabdeckung. Was jetzt besser ist, oder besser klingt - keine Ahnung… Wahrscheinlich wird die geschraubte Variante etwas reparaturfeundlicher sein im Falle eines hoffentlich niiiieeee passierenden
Halsbruches. Ein Vorteil dieser Art der Verschraubung ist auf jeden Fall die bessere Zugänglichkeit an die hohen Bünde durch die Abflachung im Bereich der Verschraubung (siehe Bild).
Das Griffbrett ist aus Palisander (Rosewood), die Inlays sauber eingelegt. Es ist bestückt mit Jumbofrets, die wirklich exakt abgerichtet sind, es gibt keinerlei Deadspots oder sowas auf dem gesamten Griffbrett - naja, wäre bei einer Gitarre dieser Preisklasse auch irgendwie schlimm ![]()
Die Saitenlage war schon ganz gut, ich hab sie allerdings noch ein wenig heruntergeschraubt, die
Intonation war ab Werk schon ausgezeichnet. Einzig den Halsstab habe ich nach ungefähr 2 Wochen noch eine Achteldrehung strammer angezogen. Seitdem passt alles.
Der Korpus besteht aus Mahagoni mit einer aufgeleimten 2 teiligen, gewölbten Ahorndecke und ist mit einem hauchdünnen, mattschwarz lasierendem Colored Oil finish versehen. Es sieht echt gut aus, ist aber sowas von empfindlich. Mannomann, die Gitarre wird wohl schon bald richtig benutzt aussehen. Naja, dann passt sie um so besser zu meinem Auto.
Die Brücke und das Tailpiece sehen fast genauso aus wie bei der Les Paul und funktionieren auch genauso.
Interessant wird es bei der Pickupbestückung und der recht vielseitigen Schaltung. Da wären zu erstmal auffällig, dass da zwischen den beiden Seymor Duncan Humbuckern noch ein Singlecoil steckt. Ebenfalls auffällig sind die 2 Kippschalter. Der Vordere ist, wie bei der Les Paul für das Umschalten der Pickups zuständig. Oben - Halspickup, Mitte - Hals und Brücke, Unten - nur Brückenpickup. Der zweite Kippschalter leitet das Signal des Brückenpickups ohne Umwege direkt auf die Buchse, alle anderen Poti- oder Schalterstellungen sind dann ausser Kraft gesetzt. Das nennt sich “Lead free” Schaltung. Die ist sehr praktisch, da man sich so z.B. einen schönen cleanen, angecrunchten, oder was weiss ich für einen Sound einstellen kann mit der Pickupwahl und der Lautstärke, die einem gefällt und mit einem Schalten auf volle Power umschalten kann. Die Schalter sind nahezu knackfrei und machen einen weitaus höher wertigen Eindruck als die Les Paul Schalter. Die Zeit wird es zeigen, wie lang die Lebensdauer ist.
Die drei Drehpotis haben es ebenfalls in sich: der vordere Poti ist für die Gesamtlautstärke verantwortlich, ausser natürlich bei “Lead Free” Benutzung. Der Mittlere ist zum Regeln der Lautstärke des Singlecoils da - aber: das ist noch nicht alles! Zieht man an dem Schalter wird der Halspickup gesplittet und ist in dem Modus ein Singlecoil. Als Humbucker bringt die Kombination mit dem Singlecoil der Mitte auch nicht viel, somit auch sinnvoll.
Der hintere Drehpoti ist für die Tonregelung da und - ja, erraten, man kann auch an ihm ziehen, um den Brückenpickup zu einem Singlecoil zu machen. Diese Vielfalt an Möglichkeiten macht die Lead Free Schaltung noch interessanter. Nicht, dass ich mit den Singlecoils bisher viel gemacht hätte, aber haben ist haben :-D.
Klanglich ist die Panthera etwas agressiver als eine Les Paul. Dies kann zum einen an der Wahl der Pickups liegen. Sie haben keine Abdeckung, das macht den Klang schon mal etwas reicher an Höhen. Zum Anderen kann dies noch an dem Ovangkolhals liegen, da dieses Holz härter ist als Mahagoni. Vielleicht spielt die Bolt In Verschraubung da auch noch eine Rolle, keine Ahnung…
Etwas unschön ist, dass sich das Umschalten und Ziehen/Drücken an einem Poti am Ausgang hörbar ist. Erst dachte ich, dass die Pickups sehr stark mikrofonisch sind, mittlerweile weiß ich, dass sich die Vibration durch den Korpus über die Brücke auf die Saiten überträgt, da man die Geräusche nicht hat, wenn man die Saiten abdämpft.
Auf jeden Fall feedbackt die Gitarre nicht unangenehm stark, wenn man mit einem großen Amp und lauten Pegeln spielt. Jedenfalls nicht mehr, als andere Solidbody Gitarren.
Weitere Features sind die Security Locks, die man an seinen Gitarrengurt anbringen kann. Ist ja nicht schlecht, fällt auch so niemals ab, ausser - und deshalb gehen die Dinger in meinen Augen gar nicht - wenn man gegen die Druckknöpfe kommt, was auf engerem Raum ja durchaus mal vorkommen kann. Dann löst das System sofort aus und die Gitarre knallt runter, wenn dies aus versehen passiert. Um dies zu vermeiden habe ich die Panthera auf Schaller Security Locks umgerüstet. Da muss man ziehen, nicht drücken und den Verschluss seitlich wegziehen. Wirkt zwar etwas wackeliger an sich, ist aber definitiv die bessere Lösung nach meiner Meinung und hält.
Das Elektronikfach mit der Schaltung ist leicht zugänglich und ohne Werkzeug zu öffnen. Die Deckel der anderen beiden Fächer für Poti und die Schalter sind angeschraubt. Im Normalfall braucht man da ja auch eigentlich eh nicht ran.
Die Gitarre hängt gut am Gurt, ausgewogen, und fühlt sich für mich nicht wie ein Fremdkörper an. Sie lässt sich gut bespielen und sieht auch noch gut aus. Klanglich gefällt sie mir wirklich gut.
Es ist natürlich nicht möglich, wirklich objektiv zu sein, und es ist immer auch eine Frage des Geschmacks. Die Fakten sprechen allerdings für sich und wenn man in einem etwas höherem Preisniveau sucht, dann sollte man sich diese Gitarre ruhig mal ansehen.
Diese aus dem Custom Shop von Framus stammende Panthera Studio Pro hat einen Preis von runden 1800,-€ und ist somit weit billiger als eine vergleichbare Gibson Customshop Gitarre - und ist nach meiner Meinung besser verarbeitet.
Man kann diese Gitarre bei einem namhaften Onlinestore für Musikinstrumente ohne die Customoption für ca 1200,- bekommen, ist also etwas günstiger.
Klar, man wird auch sehr gute und gut bespielbare Gitarren für 300,-€ finden, wiegesagt, es ist alles eine Frage des Geschmacks - und womöglich auch des Prestiges. Das muss jeder für sich selber entscheiden.
Anschauen und vor allem Antesten lohnt sich auf jeden Fall!
Sebsta

